mit Hund ans Meer

12:24:00 – Reisevorbereitungslisten

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen planen und Listen schreiben? Oder gehören Listen zum Plan? Alles irritierend, zumal T nicht so gerne plant. Aber gut, wie schreibt nun mal gerne. Und wenn es nur untereinander gereihte Wörter sind. Wie dem auch sei: Wenn T anfängt mit dem Stift auf einem großen Blatt Papier herumzukritzeln, dann weiß ich, dass sie mal wieder eine Reise für uns plant. Meist ans Ostmeer. Bevor sie allerdings die Liste schreibt, löst T großen Putzalarm aus. Für den muss ich auf eine Hunderunde verzichten und werde in den Garten verbannt. Wenn alles überstanden und sauber ist, sitzt T verschwitzt am Tisch und notiert alles mögliche. Murmelt dabei vor sich hin. Kneift die Augen zusammen. Schaut an die Decke. Beißt den Stift. Ich liege derweil im Körbchen und fixiere T. Denn irgendwann wird sie mir ihre Liste vorlesen und dann fragen: Haben wir irgendwas Wichtiges vergessen? Fällt dir noch was ein? Mein Stichwort, mein Auftritt. Ich verlasse mein Körbchen und setze mich vor die rote Box mit den sechs Schubladen. In der obersten schlummern meine Kaustangen und die Schweineohren. Die sind schließlich das Wichtigste und dürfen unter keinen Umständen vergessen werden. Sie sind so wichtig, dass sie sogar einen Extra-Beutel bekommen.

Die letzten Stunden vor unserer Abreise nenne ich die Koffernacht. T kramt den schwarzen Kasten auf vier Rädern hinter der Kommode hervor, stellt ihn neben das Bett. Auf dem Bett liegt die Liste. T baut einen Stapel um die Liste herum. Ich liege neben dem Bett und habe alles im Blick. Ich sehe den Stapel neben und um die Liste herum immer größer und breiter werden und wieder schrumpfen. So lange, bis er in den Rollkasten passt. In der Koffernacht schlafe ich oben bei T, neben dem Koffer. Nur für den höchst unwahrscheinlichen Fall, dass ich nicht auf der Liste stehe.

Hündin Milla auf Reisen

Nach dem Frühstück verbannt mich T ins Körbchen. Wahlweise in den Garten. Wenn sie das tut, stehe ich allerdings sofort wieder vor der geschlossenen Terrassentür und kratze solange an der Scheibe, bis T mich reinlässt und sagt: Geh mir jetzt nicht auf die Nerven, Milla. Das Spiel kenne ich ja schon – nicht ich gehe ihr auf die Nerven, sondern sie sich selbst. Deswegen hat T mich im nächsten Moment auch schon wieder vergessen und ich lege mich mitten ins Wohnzimmer. Beobachte T, wie sie die Treppen hoch und runter läuft, zum Bücherschrank, in den Schuppen, zurück ins Badezimmer. Irgendwann öffnet sie den Koffer, packt ein paar Sachen aus und dafür andere ein. Ehrlich gesagt, es ist verwirrend. Wozu eine Liste, wenn T am Ende doch nicht das einpackt, was nie mühevoll notiert hat? Und warum eigentlich immer so viele Schuhe?

Sobald T ihr vietnamesisches Raumwunder(BB hat ihr die bunte Seidenhandtasche aus Hué mitgebracht) von der Garderobe pflückt und vollstopft, wird es ernst. Höchste Zeit, meinen Wachposten vor unserem Holztor einzunehmen. Da stehe ich dann und warte. Niemand bekommt mich da weg. Egal, was passiert. Wenn T endlich mit dem Koffer und ihrem prall gefüllten Raumwunder rauskommt, sagt sie: Wo ist dein Ring? Ich verstehe die Frage nicht. T hat doch die Liste. T weiß, wo alles ist. Ich sehe T nur an und bewege mich keinen Millimeter. Milla!, sagt T dann und klingt sehr ungeduldig, wo ist der Ring? Na los, such ihn. Hol den Ring. Widerwillig werde ich vom aufmerksamen Torhüter zum halbherzigen Ringsucher. Trabe um die Büsche herum, auf der leidenschaftslosen und unkonzentrierten Suche. Liegt alles nur an der Aufregung. Deswegen finde ich ihn auch selten bis nie. Also stampft T schließlich ziemlich zielstrebig durch den Garten, findet mein Lieblingsflugundschwimmobjekt, hält es mir vor die Nase, nimm mit, sagt sie, und ich galoppiere mit dem Ring zwischen den Zähnen zurück zum Tor. Immer im Bemühen, die Abreise nicht künstlich zu verzögern. Doch das ist noch immer nicht die endgültige Bestätigung, dass T mich auch mitnimmt. Selbst wenn sie meinem großen Futtersack dabei hat. Als nächstes zieht T die Haustür zu, dann die Gartentür und sagt dabei fröhlich: Fertig, auf geht’s. Was nicht ganz stimmt. Bevor es wirklich und tatsächlich losgeht, besuchen wir noch kurz Blumen-A. Das ist übrigens der kritischste Moment. Denn jetzt entscheidet sich, ob ich mitdarf oder bei Blumen-A geparkt werde. Um herauszufinden, wie meine Chancen stehen, lasse ich den Ring zwischen den Blumenpaletten vor dem Schaufenster fallen. Wenn T mich nicht auffordert, ihn mitzunehmen, dann stand auch ich auf T’s langer Liste. An diesem Morgen darf ich den roten Ring vorm Blumenladen liegenlassen. Und bin jetzt überzeugt: Wir fahren mal wieder ans Ostmeer.

mit Hund ans Meer

Blumen-A schenkt mir zwei Kekse, krault mich, sagt: Hab viel Spaß, olle Knutschbacke, und zu T: Ich gieß die Blumen und hol die Post rein. Sie wünscht uns eine gute Reise. An diesem speziellen Tag gab sie uns einen großen Strauß mit Sonnenblumen und roten Gladiolen mit. Das hätte ich mich stutzig machen sollen. Wir nehmen nämlich nie Blumen mit ans Ostmeer.

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